Im Ayurveda spricht man von den drei Bioenergien, den Doshas, die uns Menschen, aber auch die Natur steuern. Im letzten Teil dieser Beitragsreihe habe ich dir das Dosha Kapha (Erde und Wasser) näher vorgestellt. Diesmal befassen wir uns gemeinsam näher mit dem Vata Dosha, dem Bewegungsprinzip. Es spiegelt unsere feinstofflichste, subtilste Energie wider.

Vata = Luft & Raum

Das Vata Dosha besteht aus Luft und Raum (Äther). Daher werden ihm die Eigenschaften trocken, kalt, rau, spröde, flüchtig und wechselhaft zugeordnet. Es steht für Dynamik, Beweglichkeit und den Flow. Vata ist die Kraft, die alles in Bewegung hält. In den Jahreszeiten finden wir Vata im Herbst und frühen Winter, wenn es windig und kalt ist.

In unserem Körper steuert das Vata alle Bewegungsabläufe. Dazu zählen insbesondere die Atmung, der Kreislauf, Nervenimpulse und die Bewegungsvorgänge im Verdauungsprozess. Auch alle körperlichen Bewegungen werden durch Vata reguliert.
Menschen, die in ihrer Grundkonstitution überwiegend Vata aufweisen sind oft sehr schlank, leicht und zierlich. Entweder sind sie sehr groß oder sehr klein. Ihre Gelenke sind oft gut sichtbar und neigen zum Knacken. Da die Eigenschaften trocken und rau dominieren, haben sie oft trockene, dünne Haut und Haare. Auch ihre Nägel sind eher dünn und brüchig. Allgemein neigen sie eher zum Frieren und haben oft kalte Hände und Füße. Sowohl ihr Appetit als auch ihre Verdauung sind eher unregelmäßig. Mal vergessen sie ganz zu essen, dann essen sie wieder besonders viel. Dafür sind sie sehr beweglich und wollen auch viel in Bewegung sein. Sie sind dynamisch und aktiv, wie der Wind. Ihre Immunabwehr ist geringer, so dass sie sich leichter Infekte und Erkältungen einfangen. Die Bewegung im Geiste, die bei Vata-Personen dominiert sorgt oft für einen sehr leichten Schlaf. Sie schlafen daher eher wenig und neigen insbesondere am frühen Morgen zu Schlafstörungen.

Menschen mit dominierendem Vata Dosha sind oft sehr innovativ, kreativ, phantasiereich und künstlerisch begabt. Sie haben zahlreiche Interessen und Ideen, die sie auf Grund ihrer Begeisterungsfähigkeit am liebsten alle gleichzeitig umsetzen möchten. Daher fangen sie oft viele Dinge an, bringen sie dann aber nicht unbedingt zu Ende. Stattdessen probieren sie schon wieder das nächste Neue aus. Eben immer in Bewegung.
Eine Vata-Persönlichkeit ist flexibel und lebensfroh, aber auch sensibel und einfühlsam. Sie braucht in der Regel eine große Portion Freiheit. Daher reisen Vata-Menschen oft sehr gern. Sie sind außerdem sehr kommunikativ und reden oft schnell. Durch die hohe Flexibilität und Individualität neigen Menschen mit viel Vata zu einem unregelmäßigen, abwechslungsreichen Tagesrhythmus. Oft können sie aber von mehr Regelmäßigkeit in ihrem Ablauf profitieren, da sie so mehr geerdet werden.
Ihr Energiehaushalt ist sehr variabel. Mal sprühen sie vor Energie, dann brauchen sie Ruhe und Erholung. Daher sind sie bei längeren Stressphasen schnell überfordert. Oft fällt es ihnen dann auch schwer, sich Konflikten zu stellen, ihr Mut verlässt sie und der Flucht-Mechanismus setzt ein.

Zu viel Vata

Durch innere und äußere Einflüsse können wir aus unserer ganz individuellen Balance geworfen werden. Zum Beispiel im Herbst, wenn das Vata Dosha in der Natur dominiert, kann auch bei uns das Vata Überhand nehmen. Das gilt vor allem für die Menschen, die in ihrem Grundtyp bereits von Vata dominiert werden. Man hat dann zu viel Wind im Kopf. Auch Hektik und Stress bringt Vata leicht zum Überschießen.
Das macht uns dann oft unruhig und unkonzentriert. Vielleicht kennst du das auch, dass du dich vor allem dann energielos und erschöpft fühlst. Gleichzeitig neigen wir auch zu einer gewissen Hektik, vor allem in unseren Bewegungen und der Atmung. Wir werden sprunghaft, fangen viel an ohne es zu Ende zu bringen. Das überfordert dann noch mehr. Wird Vata zu stark kann die Lebensfreude umschlagen in Nervosität, Angst, Unsicherheit. Ständiges Gedankenkreisen und Sorgen machen dominieren unseren Geist dann. In der Folge scheint es uns schier unmöglich sich zu entspannen, so dass auf die Schlafstörungen zunehmen. Auch gegenüber Lärm steigt die Empfindlichkeit. Ein überschießendes Vata macht auch anfälliger für Spannungskopfschmerzen, Muskel-, Gelenk- und Rückenschmerzen. Der Körper trocknet aus, die Haut wird trocken und schuppig. Auf Verdauungsseite kommt es eher zu Verstopfungen. Durch ein zusätzlich mehr gestörtes Essverhalten, welches nun leicht auftreten kann, verliert man eher an Gewicht. Die Immunabwehr nimmt ab, es kommt zu vermehrten Infekten.

Zu wenig Vata

Ist das Vata Dosha hingegen zu schwach ausgeprägt führt das zu einer Antriebslosigkeit, man hat keine Lust auf Bewegung. Die Laune und Lebensfreude sind gering, was bis hin zu Depressionen führen kann. Die Bewegungen nehmen auch in den Körperfunktionen ab, was zu einer schwächeren Atmung und trägem Stoffwechsel führen kann.

Ayurveda

Wie du Vata wieder in Balance bringen kannst

Führen wir uns noch einmal die Grundeigenschaften des Vata vor Augen, die uns helfen zu erkennen, was man benötigt um ein zu viel oder zu wenig an Vata wieder auszugleichen. Diese Merkmale sind kalt, trocken, rau und beweglich. Vata wird also beispielsweise durch Wind, kalte Temperaturen, trockene und kalte Nahrung vermehrt. Auch kaltes Duschen und Trockenmassagen können das Vata steigern. Eine gewisse Unregelmäßigkeit, also das Durchbrechen starrer, festgefahrener Routinen bringt wieder mehr Bewegung in dein Leben und kann so deine Lebensfreude und Vata steigern.

Hast du aber im Gegensatz eher zu viel Vata in dir und möchtest es senken, so ist es wichtig, die Eigenschaften des Vata mit dem Gegenteil auszugleichen. Also können hier ein warmes Bad oder eine warme Ölmassage helfen, um dich wieder zur Ruhe zu bringen. Alles was dir zur Entspannung und Ruhe verhilft, tut dir zum Ausgleich gut. Idealerweise natürlich in einer warmen Umgebung. So können auch sanfte, ruhige Yogasequenzen und beruhigende Atemtechniken, wie die Wechselatmung, unterstützend wirken. Um den hektischen Geist zur Ruhe zu bringen, tut es auch gut, mehr Regelmäßigkeit und Routinen im Alltag zu integrieren. Von innen her kannst du dich mit warmen, gekochten Speisen gut wieder aufbauen. Diese sollten ausreichend Feuchtigkeit enthalten, zum Beispiel durch genug gesunde Fette oder in Form von nährenden Suppen. Alles Nährende tut dir nun gut. Achte auch darauf warme bis heiße Getränke zu dir zu nehmen (kein Kaffee) anstatt kalter.



Konntest du dich im Vata Dosha wiederfinden? Da wir eine Mischung aller drei Doshas sind, kann es sein, dass auf dich nicht alles zutrifft, du dich aber an einigen Stellen gut wiederfinden konntest. Hast du das Gefühl, du bist in Balance oder hast du aktuell zu wenig oder zu viel Vata in dir? Wenn ja, dann hoffe ich, meine Impulse geben dir schon eine gute Richtung vor, um dein persönliches Gleichgewicht wiederherzustellen. Im nächsten Artikel erfährst du mehr über das Pitta Dosha, unser inneres Feuer.

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